Um 5:30 Uhr stand ich dann endgültig auf, Schlafen konnte ich nicht also warum rumliegen?
Die Luft auf dem Fluss war wunderbar frisch, der Nebel lag noch geheimnisvoll über dem Wasser, die Stille wurde nur durch hin und wieder vorbeifahrende Kohleschiffe oder Fähren unterbrochen.
Um 6:30 Uhr legten wir Plangemäß ab und los ging es Stromaufwärts in Richtung Staudamm und Schleusen.
Nach kurzer Fahrt legten wir am Fuße des Yangtse Staudammes an, gingen von Bord und stiegen mal wieder in einen Bus. Der brachte uns an den Fuß des Staudammes. Obwohl der fast komplett im Nebel lag, konnte man doch seine gewaltige Größe erkennen.
Unser aller Gedanke war wohl der gleiche: Wenn das Ding mal bricht! Aber daran denkt man in China wohl besser nicht.
Danach ging es weiter zu einem Aussichtspunkt. Von dort konnte man auf der einen Seite den Staudamm sehen, wenn auch nebulös, und auf der anderen Seite die gigantische Schleusenanlage mit ihren fünf Stufen.
Ein kleines Museum mit einem Modell des Dammes gab es natürlich auch. Danach ging es wieder zum Schiff auf das wir uns wegen der Souvenirverkäufer regelrecht retten mussten.
Kurz nach der Abfahrt wollte unser Reiseleiter Herr Zhao einen Vortrag über den Yangtse halten. Nach gut einem Drittel des Vortrages wurden wir aber langsam nervös, ging es doch auf die Schleusen zu. Die Durchfahrt wollte keiner von uns verpassen. So gab Herr Zhao alsbald auf, lies uns nach draußen und verschob den Vortrag auf später.
Kaum waren wir draußen, kam auch schon die Schleusenanlage in Sicht. Wir mussten zwar noch eine ganze Weile warten, aber auch das war angesichts der gigantischen Anlage spannend genug.
Vor uns lagen bereits zwei Frachter auf der Lauer, die Schleuse fasst allerdings sechs Schiffe auf einmal, also kein Problem.
Endlich ging es los, die Tore öffneten sich und wir konnten langsam einfahren. Die Frachter vor uns hatten sich schon parallel zueinander zusammengebunden und fuhren im Verbund ein.
Danach wir und alsbald kam neben uns ein Sandfrachter an und hinter uns ein Containerfrachter.
Nun tat sich erst mal gar nichts mehr, das sechste Schiff, ein weiterer Passagierdampfer, hatte eine halbe Stunde Verspätung.
Dann ging es endlich los, mit einem Ächzen schlossen sich die gewaltigen Tore und das Wasser begann mit ungeahnter Geschwindigkeit zu steigen. Es dauerte kaum ein paar Minuten und wir hatten die ersten 30m Höhenunterschied überwunden.
Von jetzt an ging alles ganz schnell. Das nächste Tor ging auf, wir fuhren in Zweierreihen ein, Tor zu, Wasser rein, nächstes Tor auf…
Ehe wir es uns versahen waren wir oben. Wobei man sagen muss, dass wir nur vier Schleusen gebraucht haben, da der Stausee noch nicht ganz voll ist.
Nun waren wir also auf dem Stausee unterwegs und konnten uns in Ruhe dem Mittagessen widmen. Das war, wie bisher überall, sehr lecker.
Die Schiffsbesatzung war bemüht keine Langeweile aufkommen zu lassen, es gab immer wieder Programm. Fast etwas zu viel für uns, aber man musste ja nicht.
Um 16:00 Uhr begaben wir uns dann doch aufs Oberdeck zu einer Cocktailvorführung. Das war überaus spannend und die Cocktails waren lecker. Auch wenn man zuerst nur probieren konnte.
Kurz danach kam auch schon die erste der drei Schluchten. Aufgrund des bereits sehr hohen Wasserstandes konnte man die einstige Gewaltigkeit der Schlucht nur noch ahnen. Aber schön war's trotzdem. Vor allem konnten wir die Ruhe auf dem Schiff gut gebrauchen. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend.
Abends gab es dann das Willkommensdinner, ein besonders schönes Abendessen. Es war mächtig scharf, aber lecker.
Nach dem Essen begaben wir uns zur angekündigten Welcome-Dance-Show bei der die Crew für Unterhaltung sorgen sollte, was ihr auch ganz gut gelang.
Danach setzten wir uns noch, mit ein paar Dosen an Bord geschmuggeltem Bier, auf die Treppen des Achterdecks und genossen die Lichter der nahen Stadt. Das Schiff hatte mittlerweile angelegt, die Nacht würden wir wohl nicht durchfahren.
Ein kleines Schauspiel oder besser Hörspiel bekamen wir noch geboten, als direkt hinter dem Schiff ein kleines Boot anlandete, ein LKW vom Ufer kam und die Leute anfingen eine kleine Herde Schweine vom Boot auf den Laster zu verladen.
Die Schweine schrieen in panischer Angst, während sie an Ohren und Schwanz über die schmale Planke an Land gezerrt und dort unsanft auf den Laster geworfen wurden. Dort angekommen waren sie aber sofort wieder ruhig, vermutlich gab es etwas zu essen auf der Ladefläche.
Danach war der Abend für uns bald zu Ende, die Müdigkeit kam wieder durch und wir begaben uns zu Bett.
Weiter geht es dann mit
− dem Tag 10 −